Der Teufelsstein vom Weinland

Der Teufel half den Göschener, eine Brücke in der Schöllenenschlucht zu realisieren, an deren Bau sie immer wieder gescheitert waren. Als Gegenleistung verlangte er eine Seele von ihnen.

Vielleicht in Anlehnung an diese Sage hat unser Stein den Namen Endlager-Teufelsstein erhalten.

Ob wir in Sachen Atomendlager einen Pakt mit dem Teufel machen müssen, wie die Leute in der Urseren, wissen wir nicht. Aber unsere Weinländer Seele wird sicherlich darunter leiden müssen. Zum Glück hat der Stein auch einen anderen Namen bekommen, nämlich Hinkelstein. Werden wir hier im Weinland zu den unbeugsamen Galliern, wie im Comic von Asterix und Obelix beschrieben? Wem sind die beiden und deren Dorfbewohner nicht sympatisch? Jedenfalls könnten wir von ihrem «Lokalpatriotismus» lernen, egal wie mächtig der Gegner ist.

Wie auch immer, ob Teufel- oder Hinkelstein, soll er ein Zeichen zum nachdenken sein. Ein Mahnmal für all jene, die unsere Region, unsere Heimat für Geld verkaufen und für jene, die unser Weinland missbrauchen wollen um den gefährlichen Atommüll los zu werden.

Wir wollen hier die Geschichte des Steins aufschreiben.

 

August 2018:

Nach langer Suche haben wir ihn endlich gefunden, unseren Teufelsstein. Dabei hatten wir schon fast aufgegeben. Ein mächtiger Sandstein mit Einschlüssen aus Muttergestein und Steinkohle. Geschätzt auf 30 Tonnen. Schnell werden wir uns einig über Preis, Transport und Datum. Sorge macht uns, ob das Aufstellen am gewünschten Standort klappen wird.

31. August 2018:

Am Morgen um 07.00 Uhr fährt ein 110 Tonnen Autokran an der Kreuzung Marthaler-/Schaffhuserstrass in Marthalen vor. Auf zuvor ausgelegten Spezialmatten (herzliches Dankeschön an Helfer/Familie!) wird dieser positioniert. Um 09.00 Uhr wird unser Teufelsstein auf die Minute genau angeliefert. Mit Hilfe des örtlichen Bauunternehmers Wipf Bau AG (ebenfalls ein Dankeschön!) können wir den Stein mit schwerem Gerät und ohne Fundament setzen. In der Andelfinger Zeitung wird ausgiebig berichtet. Die Journalistin tauft den Stein auf den Namen Hinkelstein (Artikel AndelfingerZeitung HIER).
Dies wohl in Anlehnung an die unbeugsamen Gallier Asterix und Obelix. Wir fühlen uns geehrt!!

17. September 2018:

Von der Gemeinde ist die Aufforderung zur Baueingabe eingetroffen. Man ist der Meinung, der Stein sei eine Anlage gemäss Raumplanungsgesetz. Bemerkenswert ist, im Titel des Briefes steht: «Hinkelstein auf Kat. Nr. 2826 [...]» Jetzt scheint es amtlich: Der Stein heisst «Hinkelstein»! Weiter heisst es: «[...] wird eine Bewilligung mangels Zonenkonformität eher nicht in Aussicht gestellt.»

Überlegen wir einmal. Die Oberflächenanlage, also das Tor zum Endlager, wird rund 10 ha oder 15 Fussballfelder wertvollstes Kulturland in Anspruch nehmen. Nicht mit eingerechnet sind Zufahrten, Bau- und Deponieplätze, Schachtkopfanlagen etc. mit infrastrukturellen Auswirkungen bis an den Bahnhof und Stadt Winterthur.
Für diese Anlage braucht es keine Baubewilligung, da Bundessache. Also keine Baueingabe, keine Einsprachen und keine Instanzen. Über unsere Köpfe hinweg wird das Endlager von Bern verfügt. Am Schluss ist ein fakultatives Referendum möglich.
Der Teufelsstein braucht gerade mal gewaltige 4 m2 Land!

Jetzt begreifen wir warum es für unseren Stein eine Baubewilligung braucht. Oder?